Interview-Akte
Erik Harlandt
AutorErik Harlandt schreibt Science-Fiction und erschafft dafür Welten, deren Hintergründe weit über das hinausreichen, was später im Roman sichtbar wird. In fünf Fragen erzählt er von frühen Schreibversuchen, gründlichem Weltenbau und davon, warum Geschichten mehr als nur ein Leben ermöglichen.
Ursprünglich veröffentlicht: 07.2026
Wer bist du und was machst du?
Ich bin Science-Fiction-Autor und schreibe Science Fiction. Klingt blöd, ist aber so. Ich könnte auch sagen, ich sei Autor und würde hauptsächlich Science Fiction schreiben, aber das trifft es nicht.
Wie hast du deine Leidenschaft entdeckt?
Überraschend früh. Die Sache mit den Aufsätzen lasse ich mal weg. Mit 12 schrieb ich Comedyprogramme und plante einen ersten Auftritt. Das ist gescheitert. Mit 15 schrieb und zeichnete ich Cartoons. Mit 16 bekam ich meinen ersten Honorarscheck für einen Textbeitrag. Danach war ich eine Weile anderweitig beschäftigt, schrieb Horrorkurzgeschichten, hauptsächlich Splatterpunk, erste Science-Fiction-Romane und arbeitete ein paar Jahrzehnte als Textarbeiter, ohne selbst zu veröffentlichen.
Was begeistert dich an deiner Arbeit am meisten?
Das Gestalten von Welten. Das ist zwar nur ein Nebenaspekt, fordert mich aber und ist auch sehr erfüllend. Wenn man eine Idee umsetzen will, muss man ihr einen angemessenen Rahmen schaffen. Darin bin ich sehr gründlich. Für einen Roman mit 400 Seiten entstehen bei mir in der Regel zusätzlich rund 500 Seiten Weltenbau. Auch wenn man nur die Spitze des Eisbergs zeigt, muss man wissen, wie es unter Wasser aussieht. Sonst passt am Ende womöglich etwas nicht. Da bin ich Pedant.
Womit kannst du am besten abschalten, wenn du gerade nicht kreativ bist?
Die Science Fiction anderer zu lesen oder zu schauen. Ich gebe zu, dass ich mich den bunten Bildern von Filmen nicht entziehen kann, auch wenn sie inhaltlich oft weit hinter der geschriebenen Science Fiction zurückbleiben.
Warum brauchen Menschen Geschichten?
Weil man durch Geschichten mehrere Perspektiven durchleben kann. Wenn man das alles selbst erleben wollte, würde ein Leben nicht reichen und man würde nur einen minimalen Anteil der Faszination mitbekommen, die möglich ist.
Ich glaube, G. R. R. Martin sagte: „Ein Leser lebt tausend Leben, bevor er stirbt. Der Mann, der nie liest, lebt nur eines.“
Und um das im Sinne von Nina George zu ergänzen:
„Wer schreibt, lebt alle seine möglichen Leben.“
Das ist wohl mein Hauptmotiv.
Autark
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