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Wenn niemand mehr die Rezension liest

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Ich weiß nicht, wie ihr Rezensionen nutzt. Ich kann nur sagen, wie ich es mache.

Bewertungen und Rezensionen lese ich meistens dort, wo ich ein Buch kaufe oder ein Hörbuch höre. Dort interessieren sie mich, weil ich bereits vor einer Entscheidung stehe. Auf Instagram oder Facebook sieht das anders aus. Da möchte ich entdecken, überrascht werden, diskutieren oder einfach auf etwas stoßen, das meine Aufmerksamkeit weckt.

In letzter Zeit lese ich häufiger von Bloggern und Creators, dass ihre Rezensionen weniger Klicks, Likes und Kommentare bekommen. Teilweise entsteht dabei der Eindruck, als wären vor allem der Algorithmus oder die Nutzer schuld.

Vielleicht hat sich einfach etwas verändert

Natürlich spielen Algorithmen eine Rolle. Aber vielleicht ist die unbequemere Erklärung viel einfacher:

Es gibt inzwischen unglaublich viel ähnlichen Content.

Das nächste Cover, die nächste Inhaltsangabe, ein paar Sätze zur Geschichte und anschließend die Bewertung. Wenn viele Menschen nach demselben Muster veröffentlichen, wird es schwierig, damit noch Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Das bedeutet nicht, dass es keine guten Buchblogger und Creators mehr gibt. Ganz im Gegenteil. Es gibt Menschen, die großartige Inhalte produzieren, eigene Ideen entwickeln und bei denen man sofort merkt, dass hinter einem Beitrag Gedanken und Persönlichkeit stecken.

Aber die große Masse ähnelt sich zunehmend.

Und dann kann man nicht ausschließlich dem Algorithmus vorwerfen, dass ein Beitrag kaum noch jemanden erreicht.

Auch der Leser entscheidet

Wir sprechen sehr viel darüber, was der Algorithmus sehen möchte. Dabei vergessen wir manchmal den Menschen auf der anderen Seite.

Vielleicht findet auch der Leser den zwanzigsten ähnlich aufgebauten Beitrag einfach nicht mehr besonders spannend.

Das ist keine Abwertung von Rezensionen. Sie haben weiterhin ihren Wert. Für mich sogar einen ziemlich großen – nur eben besonders dort, wo ich sie gerade brauche.

Deshalb glaube ich auch nicht, dass Rezensionen verschwinden werden.

Was möglicherweise verschwindet, ist die Selbstverständlichkeit, mit einer klassischen Rezension in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit zu bekommen.

Content muss einen Grund haben

Vielleicht muss deshalb nicht die Rezension gerettet werden. Vielleicht müssen wir wieder häufiger überlegen, warum jemand unseren Beitrag überhaupt lesen sollte.

Eine eigene Beobachtung. Eine ungewöhnliche Frage. Ein Gedanke, über den man diskutieren kann. Eine Geschichte hinter einem Buch. Oder schlicht etwas, das nicht schon zwanzig andere Accounts auf nahezu dieselbe Weise veröffentlicht haben.

Social Media verändert sich. Das kann man beklagen.

Oder man verändert sich mit.